KommentarErmittlungen wegen Greenwashing

Nicht nur die DWS hat zu dick aufgetragen

Zu Recht muss DWS eine hohe Geldbuße zahlen, weil sie in Sachen ESG zu dick aufgetragen hat. Denselben Vorwurf müssen sich jedoch auch die Ermittler gefallen lassen.

Nicht nur die DWS hat zu dick aufgetragen

DWS

Dicke Backen
auf allen Seiten

Von Anna Sleegers

Eine Zeit lang hat man im Frankfurter Bankendistrikt den Eindruck gewinnen können, die Drogenhändler des angrenzenden Bahnhofsviertels hätten ihr Geschäftsgebiet erweitert. Jedenfalls verging kaum eine Woche ohne Razzia. Was im Fall der schwer zu belegenden Cum-ex-Geschäfte nachvollziehbar ist, wirkte bei den Greenwashing-Vorwürfen gegen die DWS befremdlich. Nach fast drei Jahren hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen jetzt beendet – mit einem Bußgeldbescheid. Der hat es allerdings in sich: 25 Mill. Euro sind keine Kleinigkeit.

Reputationsschädigende Ermittlungsmethoden

Die Staatsanwaltschaft muss sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gefallen lassen. Aber nicht wegen der Höhe der Geldbuße, mit der sie erstmals auf Augenhöhe mit der US-Aufsicht SEC agiert. Sondern wegen ihrer reputationsschädigenden Ermittlungsmethoden. Denn die Fondstochter der Deutschen Bank wird ja gerade nicht dafür belangt, dass sie ihre Produkte in irgendeinem Hinterzimmer heimlich grüngewaschen hätte. Sondern dafür, dass sie im Außenauftritt in Sachen Nachhaltigkeit die Backen zu sehr aufgeblasen hat.

Es geschah nicht im Hinterzimmer

Um diesen Nachweis zu erbringen, mussten bei der DWS keine Akten sichergestellt werden. Die Lektüre der einschlägigen Prospekte und Werbematerialien hätte gereicht. Auch ohne Razzien hätten die Ermittlungen nicht durch das Schreddern von Akten vereitelt werden können. Schließlich adressierten die irreführenden Werbebotschaften eine möglichst breite Öffentlichkeit und landeten in den elektronischen Postfächern Zigtausender Anleger und Multiplikatoren.

Schaukampf der Selbstdarsteller

Doch offensichtlich wollten auch die Ermittler in der Causa DSW die Backen aufblasen. Als ob es darum gegangen wäre, die Selbstinszenierung der Whistleblowerin Desiree Fixler irgendwie zu übertrumpfen. Dieser Schaukampf der Selbstdarsteller hat seine Wirkung nicht verfehlt. Die Verunsicherung der Branche dürfte maßgeblich zum drastischen Rückgang der neu aufgelegten Nachhaltigkeitsfonds beigetragen haben. Mit Blick auf die Professionalisierung des hiesigen Kapitalmarkts hilfreicher gewesen wäre jedoch eine sachliche Debatte. Über die Grenzen des Marketings und über die überfällige Einführung von Geldbußen, die hoch genug sind, um Nachahmer abzuschrecken.

Zu Recht muss die DWS eine hohe Geldbuße zahlen, weil sie in Sachen ESG zu dick aufgetragen hat. Denselben Vorwurf müssen sich die Ermittler jedoch für die öffentlichkeitswirksamen Razzien gefallen lassen.

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