Strafzölle belasten internationale Autobauer deutlich
Was US-Strafzölle
für Stellantis und Co. bedeuten
Auch Autobauer aus Japan und Korea dürften leiden
wü/mf Paris/Tokio
von Gesche Wüpper und Martin Fritz, Paris/ Tokio
Die geplanten US-Strafzölle auf importierte Fahrzeuge erschüttern internationale Autobauer. Das Pariser Wirtschaftsforschungsinstitut CEPII (Centre d’études prospectives et d'informations internationales) hat berechnet, dass sie neben Volkswagen Stellantis und in geringerem Umfang Honda am stärksten treffen dürften. Für die 2021 aus der Fusion von PSA mit Fiat Chrysler entstandenen Gruppe mit amerikanischen Marken wie Jeep, Ram, Chrysler und Dodge sind die USA trotz Problemen der umsatzstärkste Markt. 1,4 Millionen Fahrzeuge hat Stellantis dort 2024 verkauft. Der Importanteil daran liegt laut Reuters bei 45%.
Die in den USA verkauften Stellantis-Modelle stammen teils aus Mexiko und Kanada, einige aus Europa, etwa der Dodge Hornet aus Italien. Die Gruppe habe begonnen, Fahrzeugteile in US-Werke zu verlagern und auf Halde zu legen, sagte Finanzchef Doug Ostermann letzte Woche. Stellantis habe zudem die Importe einiger in Mexiko und Kanada produzierter Modelle beschleunigt. Der Lagerbestand bei US-Händlern reiche für 70 bis 80 Tage.
Valeo und Forvia auch betroffen
Die Opel-Mutter hatte kurz nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Investitionen in den USA angekündigt. Stellantis dürfte in den kommenden Tagen spezifische Pläne zur Lokalisierung zusätzlicher Produktion in den USA sowie höhere Preise bekanntgeben, meint Analyst Jose Asumendi von JP Morgan. Eine entsprechende Anfrage ließ Stellantis zunächst unbeantwortet. US-Strafzölle könnten die Stellantis-Verkäufe laut einer CEPII-Simulation um 90.000 Fahrzeuge einbrechen lassen.
Renault dagegen ist in den USA nicht präsent, während Reifenhersteller Michelin eine starke US-Produktion hat. Dagegen treffen die Strafzölle auch Valeo und Forvia. Valeo macht ein Fünftel seines Umsatzes in den USA, Forvia ein Viertel. Ein Großteil der Verkäufe der beiden Zulieferer stammen aus mexikanischen Werken.
Vorsichtige Reaktion
In Asien trifft die Zollerhöhung Japan und Südkorea am stärksten. Laut dem Mitsubishi-Forschungsinstitut kommen 40% der in den USA verkauften japanischen Autos aus dem Ausland. Bei koreanischen Autos beträgt der Importanteil 60%. Tokio und Seoul reagierten daher vorsichtig. Japans Premier Shigeru Ishiba meinte, „alle Optionen“ lägen auf dem Tisch. Das Industrieministerium in Seoul versprach eine Notfallreaktion bis April, um die heimischen Hersteller zu unterstützen, die durch die Zölle voraussichtlich mit „erheblichen Schwierigkeiten“ konfrontiert sein werden. Analysten zufolge stärkt die Hyundai-Ankündigung vom Montag, 21 Mrd. Dollar in den USA zu investieren, die Verhandlungsposition.
Widersprüchliche Prognosen
Toyota, Subaru, Mazda und Honda aus Japan teilten nur mit, sie würden potenzielle Auswirkungen prüfen. Als große US-Unternehmen wollen sie sich nicht gegen Trump stellen, befürchten aber negative Folgen für die Produktion in der Heimat. Toyota und Hyundai müssten wegen den Zollerhöhungen jährlich bis zu 10 Bill. Won (6,3 Mrd. Euro) mehr Zoll zahlen, glaubt SK Securities. Das entspricht fast 40% des Betriebsgewinns. Das Nomura-Forschungsinstitut schätzt, dass die Strafzölle japanische Autoexporte in die USA um 15 bis 20% verringern. Dagegen geht man am National Graduate Institute for Policy Studies von einem Rückgang um nur 5,8% aus. Nomura sagt für Toyota einen Rückgang des Betriebsgewinns um 30% vorher, Goldman Sachs rechnet nur mit einem Minus von 6%.