Finanzmarktkalender11. April

US-Banken drohen Enttäuschungen im Kapitalmarktgeschäft

Die aggressive Handelspolitik der neuen US-Regierung trübt die Stimmung am IPO-Markt ein. Das macht Großbanken zu schaffen, die einen erhofften Anstieg ihrer Erlöse aus dem Underwriting in Zweifel ziehen.

US-Banken drohen Enttäuschungen im Kapitalmarktgeschäft

11. April

US-Banken vor Enttäuschung

Die aggressive Handelspolitik der neuen US-Regierung trübt die Stimmung am IPO-Markt ein. Das macht Großbanken zu schaffen, die einen erhofften Anstieg ihrer Erlöse aus dem Underwriting in Zweifel ziehen. Der Auftakt in die Berichtssaison zum ersten Quartal soll Investoren nun klarere Fingerzeige liefern.

Von Alex Wehnert, New York

Amerikas Großbanken haben 2025 mit hochfliegenden Hoffnungen auf einen Aufschwung im Kapitalmarktgeschäft begonnen – nun droht ihnen eine herbe Enttäuschung. Hatten Hoffnungen auf eine lockerere Regulierung unter US-Präsident Donald Trump die Stimmung der Investoren im Januar noch aufgehellt, sorgen seine Strafzölle gegen Handelspartner inzwischen für massive Verunsicherung.

Dies schlägt sich bereits bei Börsengängen nieder: Mit den IPOs des Flüssiggasexporteurs Venture Global und des Cloud-Computing-Dienstleisters Coreweave legten zwei der am sehnlichsten erwarteten Deals des noch jungen Jahres bereits eine Bauchlandung hin. Beide Unternehmen mussten ihre Ausgabepreise weit unter den ursprünglich angepeilten Niveaus ansetzen, beide Aktien stürzten nach dem Start in den Handel ab.

Schwaches Underwriting

Bei den beiden bisher meistdiskutierten Deals des Jahres war J.P. Morgan, die am kommenden Freitag Zahlen zum ersten Quartal vorlegt, jeweils unter den Lead-Underwritern – ebenso wie Goldman Sachs, die am Montag der Folgewoche die Bücher öffnet. Beim IPO von Venture Global gehörte daneben Bank of America zum Syndikat, bei Coreweave hatte Morgan Stanley die Führungsrolle inne. Gerade letztgenannte Transaktion ist für Geldhäuser wohl zum herben Fehlschlag geworden: Die Underwriting-Gebühren beliefen sich lediglich auf 2,8% der aufgenommenen Mittel im Volumen von 1,5 Mrd. Dollar. Die Banken spielten also nur 42 Mill. Dollar ein, für Tech-IPOs bedeutet dies einen extrem niedrigen Wert.

Dies liefert eine negative Vorgabe für weitere Transaktionen wie die Börsengänge der Fintechs Klarna und Chime. Angesichts der eingetrübten Stimmung haben die Aktien von Amerikas Geldhäusern das schwächste Quartal seit den Verwerfungen der Regionalbankenkrise 2023 hingelegt – der KBW Nasdaq Bank Index fiel in den ersten drei Monaten 2025 um 3,9%. Nun setzen die Anteilseigner von J.P. Morgan und Konsorten darauf, dass wenigstens die Trader der Geldhäuser aufgrund der gestiegenen Volatilität an den Märkten ihre Erlöse gesteigert haben.

Hoffnung auf M&A-Geschäft

Zudem bleibt ihnen die Hoffnung, dass die gelockerte Regulierung unter Trump die Tür für Übernahmen und höhere Erträge aus dem M&A-Geschäft aufstößt. Wie die Strategieberatung EY-Parthenon festhält, ist bei Deals mit einem Volumen von über 100 Mill. Dollar zuletzt aber Zurückhaltung eingekehrt, der kombinierte Wert dieser Transaktionen sackte im Februar zum Vorjahr um 53% ab. Neben Sorgen vor einem konjunkturellen Abschwung machen die Analysten auch schwierige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen als Grund aus. Schließlich sind der Fed bezüglich neuerlicher Zinssenkungen durch die hartnäckige Inflation vorerst die Hände gebunden.

Zuletzt hatten die resultierenden hohen Renditen am langen Ende der Kurve es den Banken noch ermöglicht, ihre Zinsmargen zu stützen. Doch S&P Global warnt vor steigenden Depositenkosten. Von Refinitiv befragte Analysten gehen im Konsens davon aus, dass die Nettozinsmarge von J.P. Morgan im ersten Quartal gegenüber dem Schlussviertel 2024 leicht auf 2,63% zugelegt hat, nachdem sie zuvor abgebröckelt war. Für den restlichen Jahresverlauf rechnet die Wall Street aber mit einer Rückkehr in den Abwärtstrend. Mit Enttäuschungen im Einlagen- wie auch im Kapitalmarktgeschäft droht den US-Banken also ein doppelter Schlag.