Die Korrektur ist noch nicht zu Ende
Aktienmärkte
Die Korrektur ist noch nicht zu Ende
Von Dieter Kuckelkorn
Dank der neuesten Zolloffensive Donald Trumps befinden sich nun die Aktienmärkte diesseits des Atlantiks quasi offiziell in der Korrektur. Der Dax steht derzeit um rund 12% unter seinem Allzeithoch, beim amerikanischen Leitindex S&P 500 sind es sogar 15%. Damit ist der amerikanische Aktienmarkt überraschenderweise mehr betroffen als der deutsche, obgleich Trumps Handelspolitik ja gerade die US-Wirtschaft stärken soll − wenngleich vor allem in der langfristigen Perspektive.
Höhere Bewertungen
Die stärkere Reaktion des US-Marktes ist sicherlich auch mit den dort höheren Bewertungen zu erklären. Diese hängen wiederum zu einem guten Teil an den amerikanischen Technologiewerten, deren Präsenz in Europa und Asien sich für Gegenmaßnahmen der dortigen Regierungen besonders gut eignet. Dies gilt vor allem für Asien, in Europa fehlt es hingegen meist an eigenständiger Technologie, die die amerikanischen Angebote ersetzen könnte. Aber nicht nur die Gegenmaßnahmen selbst, auch die Zölle sind geeignet, amerikanischen Technologiekonzernen schwer zuzusetzen, die vielfach in Asien produzieren. Insbesondere mit Blick auf den Technologiesektor darf erwartet werden, dass an Wall Street mit weiteren Verlusten zu rechnen ist, zumal Peking inzwischen harte Gegenmaßnahmen in Aussicht gestellt hat.
Wegfall der Absatzmärkte
In Europa und insbesondere in Deutschland sieht die Lage noch trüber aus. Die exportorientierten Unternehmen im Dax müssen mit rezessiven Tendenzen rund um den Globus rechnen und mit dem weitgehenden Wegfall ihres amerikanischen Marktes. Hinzu kommt der Wegfall der billigen russischen Rohstoffe, eine stetige Verschlechterung des Verhältnisses der EU zu China und die Tatsache, dass europäische und deutsche Produkte auf den asiatischen Märkten im Vergleich zur schnell aufholenden chinesischen Konkurrenz oft nicht mehr wettbewerbsfähig sind. So gehen beispielsweise die Analysten der Bank of America davon aus, dass bezogen auf den Stoxx 600 ein weiteres Abwärtspotenzial von rund 10% besteht. Aber selbst das muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.