Angebot über fast 100 Mrd. Dollar

Elon Musk trachtet nach der Kontrolle über OpenAI

Elon Musk will die Non-Profit-Gesellschaft hinter OpenAI für nahezu 100 Mrd. Dollar übernehmen. Dies stürzt das Start-up und die gesamte amerikanische Tech-Szene in Unsicherheit.

Elon Musk trachtet nach der Kontrolle über OpenAI

Elon Musk trachtet nach Kontrolle über OpenAI

Reichster Mann der Welt gibt Offerte für Non-Profit-Gesellschaft hinter Tech-Schmiede ab – Machtkampf mit Start-up-CEO Altman ufert aus

xaw New York

Der reichste Mann der Welt greift nach Amerikas größter KI-Hoffnung: Elon Musk führt ein Konsortium an, das 97,4 Mrd. Dollar für die Non-Profit-Gesellschaft hinter OpenAI bietet. Mit dem Übernahmeangebot, bei dem der Tesla-Chef mit Investmentgesellschaften um Valor Equity Partners sowie dem Fonds des Hollywood-Strippenziehers Ari Emanuel zusammenarbeitet, verkompliziert er den strategischen Ausblick für die Technologieschmiede bedeutend.

Elon Musk liegt seit Jahren mit OpenAI-Chef Sam Altman im Clinch.
Elon Musk liegt seit Jahren mit OpenAI-Chef Sam Altman im Clinch. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Kevin Lamarque
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Kevin Lamarque

Denn OpenAI-CEO Sam Altman hat zuletzt die Abkehr des jungen Unternehmens von seinem Non-Profit-Ansatz vorangetrieben. Genau deshalb liegt er allerdings bereits seit Jahren mit Musk im Clinch. Der Milliardär war 2018 vom Posten des Co-Vorsitzenden abgetreten und fuhr seine finanzielle Unterstützung zurück – nach eigener Darstellung im Streit über Altmans Pläne für die Entwicklung des gewinnorientierten Firmenarms.

„Niedertracht und Täuschung“

„Die Niedertracht und Täuschung“ der OpenAI-Gründer habe Ausmaße angenommen, wie sie sonst „in einem Shakespeare-Drama“ zu finden seien, heißt es in einer Anfang August eingereichten Klageschrift. Das Start-up arbeite auf unrechtmäßige Weise mit seinem größten Investor Microsoft zusammen, um die Entwicklung künstlicher Intelligenz zu dominieren. Der Technologieriese hat seit 2019 rund 13 Mrd. Dollar in den For-Profit-Ableger von OpenAI gesteckt.

Zuletzt hatte Musk eine richterliche Anordnung angestrebt, um eine Umwandlung des Start-ups in eine gewinnorientierte Public Benefit Corporation zu blockieren. Das zuständige Tribunal teilte kürzlich allerdings mit, dass wohl zumindest Teile von Musks Klage offiziell verhandelt werden müssen. Der Anwalt des Milliardärs, Marc Toberoff, versandte zu Jahresbeginn Briefe an die Justizminister von Kalifornien und Delaware – also den Bundesstaaten, in denen OpenAI ihren Hauptsitz hat bzw. als Kapitalgesellschaft ansässig ist. Darin forderte er beide auf, ein Bieterverfahren zu eröffnen, um den fairen Wert der Assets der Non-Profit-Holding zu ermitteln, die dem gewinnorientierten Arm des Start-ups derzeit noch übergeordnet ist. Musk und andere Kritiker äußerten wiederholt Befürchtungen, dass OpenAI den Charity-Arm bei einem Spin-out unterbewerten würde.

Sam Altman hat die Umwandlung von OpenAI in ein gewinnorientiertes Unternehmen vorangetrieben. Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow.

Das Start-up weist die Anschuldigungen des Milliardärs als haltlos zurück. Die Non-Profit-Gesellschaft werde auch künftig den vollen Wert ihrer Beteiligung am gewinnorientierten Teil des Unternehmens behalten. Bereits im September legte OpenAI Dokumente vor, gemäß denen Musk eine Umwandlung in eine For-Profit-Gesellschaft unterstützte, dem Unternehmen aber den Rücken kehrte, als er nicht die Kontrolle erhielt.

Für Nebenbuhler gerüstet

Laut Toberoff liegt dem Verwaltungsrat von OpenAI seit Montag ein Gebot für alle Assets der Non-Profit-Gesellschaft vor. Es sei „Zeit, OpenAI wieder zu der Open-Source-orientierten, auf Sicherheit fokussierten Kraft für das Gute zu machen, die sie einst war“, lässt sich Musk in einer Mitteilung zitieren. „Wir werden sicherstellen, dass es so kommt.“ Das vom Milliardär geführte Konsortium zeigt sich bereit, alle Gebote potenzieller Nebenbuhler auszustechen. Wenn Altman entschlossen sei, das Unternehmen zu einer vollständig gewinnorientierten Gesellschaft zu machen, dann müsse die Non-Profit-Holding für den Verlust der „Kontrolle über die transformativste Technologie unserer Zeit“ kompensiert werden.

Altman reagiert spöttisch

Beim AI Action Summit in Paris äußerte Altman die Vermutung, der Wettbewerber Musk wolle mit seinem Übernahmeangebot den Fortschritt von OpenAI aufhalten. „Ich wünschte, er würde einfach nur konkurrieren, indem er ein besseres Produkt baut“, sagte der CEO. Bereits zuvor reagierte er spöttisch auf Musks Offerte. „Nein, danke, aber wir werden Twitter für 9,74 Mrd. Dollar kaufen, wenn du willst“, schrieb der CEO und bezog sich dabei auf Musks Akquisition des heute als X bekannten Kurznachrichtendienstes.

Auf den 44 Mrd. Dollar schweren Deal, den der reichste Mann der Welt 2022 abschloss, folgten turbulente Zeiten. Infolge zahlreicher Kontroversen um den neuen Eigner der Plattform verabschiedeten sich zahlreiche wichtige Werbekunden von der ehemaligen Twitter, die in der Folge unter heftigen Liquiditätsdruck geriet. Erst im laufenden Jahr begannen Geldhäuser um Morgan Stanley und Bank of America, einen Teil der zur Finanzierung der Transaktion begebenen Kredite am Markt abzuladen – dass sie bei einer 5,5 Mrd. Dollar schweren Tranche von Investoren um die Allianz-Tochter Pimco zuletzt wohl noch 97 Cent auf den Dollar erhielten und damit ihre Verluste minimierten, feierte die Wall Street nach dem schlechtesten Deal seit der Finanzkrise 2008 schon als Erfolg.

Verschmelzung mit xAI möglich

Nun will Musk also eine neue Mega-Übernahme stemmen. Mit dem nahezu 100 Mrd. Dollar schweren Angebot legt der Unternehmer die Latte hoch. In den vergangenen Monaten mühten sich schließlich zahlreiche Analysten bei der Bewertung des Charity-Arms des Start-ups ab. Kommt der Deal zustande, dürften die neuen Eigner der Non-Profit-Holding laut Analysten dominierenden Einfluss über das Gesamtunternehmen erhalten. Musk bietet für sein Gebot auch sein KI-Start-up xAI als Sicherheit, das nach einer möglichen Transaktion mit OpenAI verschmelzen könnte.

Die chinesische DeepSeek misst sich mit den Chatbots von OpenAI und Konsorten. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andre M. Chang.

Zuletzt hatte das chinesische Start-up DeepSeek zwar Zweifel an der Vorherrschaft der US-Tech-Szene bei künstlicher Intelligenz geweckt. Die Performance des zu Jahresbeginn lancierten Chatbots „R1“ kann wohl bereits mit jener führender Modelle von OpenAI mithalten – und das, obwohl den Chinesen weniger fortschrittliche Chips zur Verfügung stehen und sie angeblich einen Bruchteil der Mittel investiert haben, die US-Konkurrenten in ihre Anwendungen gesteckt haben. 

Neue Narrative nach DeepSeek-Drama gesucht

Doch nach dem DeepSeek-Drama suchen die USA gegenzusteuern. So drangen Ende Januar angebliche Verhandlungen über eine neue Finanzierungsrunde für den ChatGPT-Entwickler an die Öffentlichkeit. Demnach wolle das Unternehmen bis zu 40 Mrd. Dollar aufnehmen. Damit würden die Kalifornier ohne profitables Geschäftsmodell auf eine Bewertung von 340 Mrd. Dollar kommen.

Erste Risse zwischen Trump und Musk

Bei einer Funding-Runde im Oktober sammelte OpenAI 6,6 Mrd. Dollar ein und erzielte eine Bewertung von 157 Mrd. Dollar. Musk dürfte laut Wirtschaftskanzleien bei seinem Übernahmeangebot für die Non-Profit-Holding seinen zusätzlichen Einfluss als wichtigster Unterstützer von US-Präsident Donald Trump in die Waagschale werfen. Der Republikaner hat Altman indes ebenfalls als entscheidenden Verbündeten im Rahmen der Strategie ausgemacht, mit der das Weiße Haus die Technologieführerschaft der Vereinigten Staaten untermauern will.

OpenAI-CEO Sam Altman (Mitte) kündigte die „Stargate“-Partnerschaft mit US-Präsident Donald Trump, Softbank-Lenker Masayoshi Son und Oracle-Mitgründer Larry Ellison (von links) an. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Julia Demaree Nikhinson.

In der Folge wurden zuletzt Risse zwischen Trump und Musk sichtbar. So stellt der Tesla-Chef ein Prestigeprojekt des Präsidenten infrage: die Rechenzentren-Partnerschaft „Stargate“. OpenAI, Softbank und Oracle hatten das Joint Venture im Weißen Haus angekündigt. Die Partner wollen über vier Jahre bis zu 500 Mrd. Dollar in die amerikanische KI-Infrastruktur stecken. Doch Musk zweifelte in X-Posts an, dass die Zusagen durch Kapital gedeckt sind, und lieferte sich darauf Wortgefechte mit Altman.

Schwerwiegende Unklarheit

Nun geht ihre Auseinandersetzung in die nächste Runde – während OpenAI mit weiteren Herausforderungen ringt. So hat sich Meta Platforms in einem Brief an den kalifornischen Justizminister gegen eine Umwandlung des Start-ups in eine gewinnorientierte Gesellschaft ausgesprochen. Mit Microsoft und anderen Investoren feilscht OpenAI indes darum, wie hoch ihre Anteile an einer neu aufgestellten Gesellschaft ausfallen sollten. Im Rahmen der jüngsten Finanzierungsrunde sagte das Unternehmen zu, seine Umwandlung bis Ende 2026 abgeschlossen zu haben. Musks Angebot sorgt nicht nur diesbezüglich für Unsicherheit – sondern erschwert auch Bemühungen, weitere Milliarden für „Stargate“ einzusammeln.

Elon Musk will die Non-Profit-Gesellschaft hinter OpenAI für 100 Mrd. Dollar übernehmen. Die Offerte stürzt nicht nur das Start-up in Unsicherheit, das sich in einer Transformation zum gewinnorientierten Unternehmen befindet. Sie wirbelt vielmehr die gesamte amerikanische Tech-Szene durcheinander.