Kompromiss bei VW lässt Fragen offen
20. Dezember
Kompromiss bei VW lässt Fragen offen
ste Hamburg
Zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten verständigt sich der Volkswagen-Vorstand mit Arbeitnehmervertretern kurz vor Weihnachten auf Maßnahmen, die zu einer deutlichen Ergebnisverbesserung der Volkswagen AG mit den Marken Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Konzern Komponente führen sollen. Weil das Management des Wolfsburger Fahrzeugbauers die vor Jahresfrist vereinbarten Pläne als nicht ausreichend ansieht, wird nachjustiert.
Von den größten Einschnitten seit Jahrzehnten ist die Rede, als sich das Unternehmen und die Gewerkschaft IG Metall nach einem Tarifkonflikt mit den ersten flächendeckenden Warnstreiks seit 2018 am 20. Dezember einig werden. Sie fallen aber weniger drastisch aus, als vom Vorstand seit Anfang September ventilliert und offensichtlich von der Eigentümerfamilie Porsche/Piëch gefordert.
Neue Job-Garantie
Ein betriebsbedingter Stellenabbau ist - wie von den Arbeitnehmervertretern und dem Großaktionär Niedersachsen gefordert - vom Tisch. Stattdessen soll eine neu formulierte Beschäftgungssicherung gelten, nun bis 2030. Zudem verzichtet das Unternehmen, das mit zu geringer Auslastung der deutschen Standorte ringt, auf die Schließung größerer Werke. Die seit Jahren margenschwache Kernmarke Volkswagen Pkw soll die angestrebte Zielrendite von 6,5% erreichen und ihre Zukunftsinvestitionen tragen können. Von der bisherigen Vorgabe 2026 ist freilich keine Rede mehr.
Streiks sind mit der Einigung abgewendet. Auch kann die nächste mittelfristige Investitionsplanung vorangebracht werden. Doch Zweifel bleiben. Reichen die Maßnahmen dieses Mal aus? Klappt die Umsetzung? Treffen Annahmen für die Entwicklung in Märkten wie China, Europa und Nordamerika ein? Bei Investoren ist Skepsis 2024 nicht gewichen, wie der Kursrutsch der VW-Vorzüge um ein Fünftel zeigt.