Notenbanker trotz Rezessionsrisiko abwartend

Fed-Chef Powell lässt Märkte nach Zolldrama hängen

Anleger erhoffen sich nach dem Strafzoll-Drama der abgelaufenen Woche neue geldpolitische Impulse von der Fed. Doch Notenbankchef Jerome Powell will seine abwartende Haltung nicht aufgeben.

Fed-Chef Powell lässt Märkte nach Zolldrama hängen

Powell warnt vor Inflationsanstiegen

xaw New York

US-Notenbankchef Jerome Powell hat angesichts der Strafzölle Washingtons vor Preisanstiegen und negativen Effekten auf das Wirtschaftswachstum gewarnt – zur Enttäuschung von Investoren aber an seinem abwartenden geldpolitischen Ausblick festgehalten. Zwar seien die „Abwärtsrisiken“ gestiegen und es stünden wohl stärkere ökonomische Folgewirkungen der protektionistischen Handelsstrategie der US-Regierung an als vor der abgelaufenen Woche erwartet. Doch sei es noch zu früh um sich darauf festzulegen, inwieweit die Federal Reserve mit Zinsanpassungen auf einen Abschwung des globalen Handels reagieren müsse, sagte der oberste amerikanische Währungshüter bei einem Auftritt vor dem Wirtschaftsjournalisten-Verband Sabew.

Trump macht Druck

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor Druck auf die Fed gemacht. Powell sei „immer spät dran, aber jetzt hat er die Gelegenheit, sein Image zu verändern, und zwar schnell“, betonte der Präsident auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Anleger hofften ebenfalls auf Signale dafür, dass die Fed die finanziellen Konditionen in den Vereinigten Staaten bald weiter lockern und den Märkten nach dem Einbruch der vergangenen Tage dringend benötigte Liquidität zuführen könnte.

US-Präsident Donald Trump erntet mit seinen Strafzöllen harten Gegenwind. Foto: picture alliance / Anadolu | Celal Gunes.

Nachdem Trump in der Vorwoche bereits Zölle von 25% auf Autoeinfuhren angekündigt hatte, trieb er die Aggression gegen Handelspartner am Mittwoch auf ein neues Level. So will er sämtliche Einfuhren in die USA mit einem „Tariff“ von 10% überziehen. Deutlich mehr sollen Länder zahlen, die US-Importe mit höherem Abgabenzwang belegen, als deren Exporteuren in den USA abverlangt wird. China schlug darauf am Freitag mit neuen Gegenzöllen von 34% zurück, die damit auf dem Niveau der von Washington auf Importe aus dem Reich der Mitte verlangten Raten lag. Diese sollen ab dem 10. April wirksam sein, also einen Tag, nachdem die „reziproken“ Maßnahmen der US-Regierung in Kraft treten. Die Reaktion rückt die Welt nach Einschätzung von Ökonomen gefährlich nah an den Abgrund eines vollumfassenden Handelskriegs.

Autobauer unter Druck

Trump schrieb darauf via Social Media, China habe „den falschen Spielzug gemacht“ und sei „in Panik verfallen“. An die „vielen Investoren, die in die Vereinigten Staaten kommen und gewaltige Mengen an Geld aufwenden“ gerichtet schrieb er, seine Politik werde „sich niemals ändern“. Zuletzt wertete Trump eine insgesamt 21 Mrd. Dollar schwere Investitionsoffensive der südkoreanischen Hyundai Group, über die der weltweit drittgrößte Fahrzeughersteller nach Toyota und Volkswagen seine Fertigung und Lieferkette in den USA ausbauen will, bereits als Erfolg für seine Handelsstrategie.

Allerdings gerät die heimische Automobilbranche infolge der Strafzölle besonders unter Druck. Gemäß Berechnungen des Analysehauses Bernstein könnten die 25-prozentigen „Tariffs“ die operativen Gewinne von Ford und General Motors im laufenden Jahr demnach um 30% drücken – selbst wenn diese ihre Preise entsprechend erhöhten und Anpassungen in den Lieferketten vornähmen. Die Deutsche Bank beziffert die Belastung bei Ford auf 10 und bei GM gar auf 14 Mrd. Dollar, die UBS warnt gar davor, dass die „Tariffs“ die Profite der Riesen aus Michigan im laufenden Jahr ganz ausradieren könnten. Der Jeep-Hersteller Stellantis schickt bereits US-Mitarbeiter in den Zwangsurlaub.

Turbulenzen bei Big Tech

An den US-Börsen sind die Autobauer gegenüber den Technologieriesen in den Hintergrund getreten. Der Nasdaq 100 gab zwischen seinem Mitte Dezember erreichten Rekordhoch und Freitagmittag New Yorker Zeit um über 20% nach und befindet sich damit offiziell in Bärenmarktterritorium. Bereits am Donnerstag hatte die Wall Street die schlimmsten Kursstürze seit der Corona-Pandemie erlebt. Infolge des allgemeinen Drangs aus Risiko-Assets und in vermeintlich sichere Häfen rutschte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Freitag erstmals seit Oktober unter die Marke von 4%.

Neben dem einstigen Börsenliebling Nvidia, dessen Aktionäre bereits vor spezifischen Handelsmaßnahmen Trumps im bisher von Strafzöllen ausgerichteten Chipsektor zittern, steht insbesondere die Aktie von Apple unter Druck. Der iPhone-Hersteller ist stark von der chinesischen Fertigung abhängig, zugleich ist die Volksrepublik für ihn ein wichtiger Endkundenmarkt.

Neue Impulse verlangt

Der von hohen Bewertungen geprägte Technologiesektor, Herzstück des US-Aktienmarktes, gilt als besonderer Profiteur gelockerter finanzieller Konditionen. Die im September beschlossene erste Zinssenkung der Fed seit mehr als vier Jahren trug entsprechend dazu bei, die nach einem Abverkauf Ende August eingeschlafene Rally des Nasdaq 100 wieder zu befeuern. Nachdem die Fed auf der Zinssitzung im März bereits beschlossen hatte, das Tempo ihres Bilanzabbaus zu drosseln, verlangen Anleger nun nach neuen geldpolitischen Impulsen.

Powell lässt sie dabei zunächst hängen. Der Notenbankchef bleibt auf die Inflation fokussiert. Es sei „hochwahrscheinlich, dass die Strafzölle zumindest zu einem temporären Inflationsanstieg führen werden“. Allerdings sei es ebenfalls möglich, dass „die Effekte hartnäckiger sein könnten“. Dies gelte es zu verhindern, sagte Powell, machte Maßnahmen der Fed dabei aber von der Stärke der erwarteten Preisanstiege und der Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft abhängig.

Kampf gegen Inflation hat Vorrang

Die Inflation zog ab 2021 deutlich an, nachdem in Reaktion auf die Coronakrise verabschiedete fiskalpolitische Hilfen die Nachfrage stimulierten und der russische Überfall auf die Ukraine 2022 für Verwerfungen in den globalen Lieferketten sorgte und zu einem massiven Energiepreisanstieg führte. Die Fed reagierte darauf ab März 2022 mit mehreren harten Zinserhöhungen in schneller Folge. Damit gelang es ihr, die Teuerung von zwischenzeitlich über 7% auf zuletzt 2,5% zu drücken. Nun droht der nächste Preisschock – zugleich signalisiert Powell den Märkten, dass die Fed ökonomischer Schwäche nicht im Vorhinein entgegenwirken kann. Mit seinem Fokus auf die Inflation macht der Notenbankchef deutlich, dass die Währungshüter Effekte der Strafzölle auf den Arbeitsmarkt und den Konsum erst im Nachhinein bekämpfen werden.

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