Wegen Zöllen

US-Wirtschaft steht tiefer Einbruch bevor

Ökonomen sind sich einig, dass die Zölle in erster Linie der US-Wirtschaft schaden werden. Der größten Volkswirtschaft der Welt droht eine Rezession und ein Inflationsschock. Was das konkret für die Fed bedeutet, darüber gehen die Meinungen von Volkswirten weit auseinander.

US-Wirtschaft steht tiefer Einbruch bevor

US-Wirtschaft steht tiefer Einbruch bevor

Sorge vor Rezession wegen Zöllen wächst – Studie prognostiziert deutlichen Abschwung – Divergenzen beim Zinsausblick

Ökonomen sind sich einig, dass die Zölle in erster Linie der US-Wirtschaft schaden werden. Der größten Volkswirtschaft der Welt droht eine Rezession und ein Inflationsschock. Was das konkret für die Geldpolitik der Fed bedeutet, darüber gehen die Meinungen von Volkswirten weit auseinander.

det/mpi Washington/Frankfurt

Nach der Ankündigung der sogenannten reziproken Zölle durch US-Präsident Donald Trump kappen Ökonomen reihenweise ihre Prognosen für das US-Wirtschaftswachstum. Einige gehen inzwischen davon aus, dass die USA sogar in eine Rezession rutschen könnten. Gestützt wird diese Einschätzung von einer neuen Studie des Conference Boards, das den USA für 2025 einen empfindlichen Wachstumseinbruch prognostiziert.

Demnach werde das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,2% schrumpfen. Vor zwei Wochen hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board im Rahmen des Berichts zu den US-Frühindikatoren noch eine Wachstumsrate von 2,0% vorausgesagt. Auch wird mit einem Inflationsschub gerechnet. So dürfte die Jahresrate des PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank, um 1,0 Prozentpunkte höher liegen. 

Zölle treffen vor allem die USA

Ökonomen sind sich einig, dass die Zölle die wirtschaftliche Aktivität der USA in diesem Jahr deutlich senken und die Inflation mindestens kurzfristig erhöhen werden. Beim genauen Ausmaß und beim Zinsausblick gehen die Vorhersagen jedoch weit auseinander.

Die Analysten von Generali Asset Management erwarten, dass die Zölle das Wirtschaftswachstum in den USA bis zum Jahresende um 1,5 Prozentpunkte drücken und damit deutlich mehr als etwa im Euroraum. „Die Zölle treffen die USA viel härter als ihre Handelspartner.“ Auch Daniel Hartmann, Chefökonom von Bantleon, rechnet mit einem größeren Abschwung. „Die US-Wirtschaft, die ohnehin bereits unter Druck steht, wird im 2. Quartal einen weiteren Dämpfer erfahren“, sagt er bezogen auf die neuen Zölle. „Daraus könnte sich eine Abwärtsspirale entwickeln, wobei sich eine steigende Arbeitslosenquote und eine nachlassende Konsumnachfrage wechselseitig antreiben. Am Ende könnte die USA in eine Rezession abrutschen, die das ganze Jahr 2025 anhält.“

Arbeitsmarkt noch robust

Noch präsentiert sich der Arbeitsmarkt in guter Verfassung. Wie das Bureau of Labor Statistics (BLS)  am Freitag meldete, legte der US-Jobmarkt im März stärker zu als erwartet. Da der Bericht aber die Entwicklung vor der Ankündigung der Zölle erfasst, ist dessen Aussagekraft ausnahmsweise begrenzt. Laut BLS entstanden im März ohne Berücksichtigung der Landwirtschaft 228.000 neue Arbeitsplätze. Im Vormonat war es zu 117.000 Neueinstellungen gekommen. Die Arbeitslosenquote stieg im März von 4,1 auf 4,2%. Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen auf Jahressicht um 3,8% an. Diese Zahlen könnten aber im April ganz anders aussehen. Conference Board erwartet, dass die Zölle bis Jahresende zu 1,1 Mill. Stellenstreichungen führen könnten.

Trotz der drohenden Abwärtsspirale ist Hartmanns Basisszenario keine Rezession, er beziffert die Wahrscheinlichkeit dessen nur auf 35%. Der Ökonom rechnet damit, dass die Steuersenkungspläne Trumps die Konjunktur im zweiten Halbjahr stützt. Ebenso wie Zinssenkungen der Fed. Die US-Notenbank werde seiner Prognose nach den Leitzins 2025 um 75 bis 100 Basispunkte reduzieren. Auch die Finanzmärkte preisen inzwischen Lockerungen um rund 100 Basispunkte ein.

Mehrere Zinssenkungen der Fed?

Doch es gibt auch Gegenstimmen. Sonal Desai, CIO Fixed Income bei Franklin Templeton, verweist auf die große Bedeutung des Binnenkonsums für das US-Wirtschaftswachstum. Die Zölle würden nur einen kleinen Teil davon treffen. „Insgesamt bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass die Fed im Rest des Jahres höchstens eine Zinssenkung vornehmen wird.“

Das FedWatch Tool der CME Group unterstellt aufgrund der Zölle im weiteren Jahresverlauf eine Serie von Zinssenkungen. Demnach ist anzunehmen, dass der Offenmarktausschuss im Mai an dem bestehenden Leitzins festhalten wird. Im Juni werde die Notenbank aber aller Wahrscheinlichkeit nach die Zinspause beenden. Bis Jahresende werde die Zielzone für den Tagesgeldsatz dann voraussichtlich zwischen 3,25 und 3,25% liegen, also um 1,0 bis 1,25 Prozentpunkte unter dem aktuellen Korridor.  

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