Die Dividenden im Dax sprudeln viel reichlicher als erwartet
Die Dividenden sprudeln viel reichlicher als erwartet
Von den 40 Dax-Werten erhöhen 23 ihre Dividende. Dabei haben zahlreiche Unternehmen mit ihren Anhebungen überrascht. Am meisten zahlt die Allianz. Mit der Telekom-HV am 9. April beginnt die Hochzeit für Aktionäre.
Von Werner Rüppel, Frankfurt
Für Aktionäre hierzulande beginnt jetzt die beste Zeit des Jahres. Denn die Dividendensaison steht unmittelbar bevor. Bereits am 9. April lädt die Deutsche Telekom zur Hauptversammlung (HV) nach Bonn ein. Danach füllt sich mit der Ausschüttung der Geldbeutel der Aktionäre. Und wie eine Reihe anderer großer Dax-Unternehmen hat die Telekom mit einer Anhebung der Dividende von 77 auf 90 Cent je Aktie positiv überrascht. Am 30. April lädt dann die Münchener Rück zur HV nach München ein. Mit einer deutlichen Erhöhung der Dividende von 15 auf 20 Euro je Aktie hat der Versicherungskonzern ein klares Zeichen gesetzt. Im Mai schütten dann die meisten Dax-Werte aus, wobei die Dividenden dabei reichlich sprudeln.

Insgesamt überrascht die Dividendensaison 2025 positiv, denn die Ausschüttungen übertreffen die zuvor eher vorsichtigen Erwartungen der Analysten deutlich. Angesichts der Probleme in der Autobranche waren die Experten nämlich davon ausgegangen, dass die Dividendensumme im Dax doch unter Vorjahr liegen würde. So hatte zum Beispiel die Deka noch im Dezember einen leichten Rückgang der Dax-Dividenden insgesamt prognostiziert. Inzwischen ist klar, dass das Vorjahresniveau erreicht wird und ein neuer Dividendenrekord erzielt werden könnte. „Konkret dürfte die Ausschüttungssumme von 53,9 Mrd. Euro auf 56,0 Mrd. Euro ansteigen“, erklärt Frank Klumpp, Aktienmarktstratege bei der LBBW. „Dies liegt daran, dass zum einen der aggregierte Dividenden-Rückgang im Autosektor geringer als ursprünglich befürchtet ausfallen dürfte, zum anderen auch viele weitere Dividendenvorschläge höher als zunächst erwartet ausgefallen sind.“ Auch Andreas Hürkamp, Aktienmarktstratege der Commerzbank, stellt fest, dass die Dividendensaison im Dax besser als erwartet läuft, und geht von einer leicht steigenden Dividendensumme im deutschen Leitindex aus.
Münchener Rück erhöht stark
„Im Vergleich zu unseren Erwartungen vor der Berichtssaison fiel die Dividende bei 16 Konzernen höher als erwartet aus“, stellt LBBW-Mann Klumpp fest. „Lediglich sechs Dax-Vertreter werden der HV einen geringeren Dividendenvorschlag als von uns prognostiziert unterbreiten.“ Auf Branchenebene würden die Unternehmen aus den Sektoren Automobile, Industrie und Versicherer jeweils knapp eine Mrd. Euro mehr ausschütten, als vor der Berichtssaison erwartet worden war.

Commerzbank-Stratege Hürkamp zählt 14 Dividendenüberraschungen. So habe die Münchener Rück überraschend stark von 15 auf 20 Euro erhöht, während die Markterwartungen nur bei 16,50 Euro gelegen hätten. Auch die Allianz zahle mit 15,40 Euro etwas mehr als die erwarteten 15,20 Euro. „Die Ankündigung von Airbus, neben einer regulären Dividende von 2 Euro je Aktie eine Sonderdividende von 1 Euro je Aktie zu zahlen, hatte auch kaum ein Analyst auf der Rechnung“, erläutert Hürkamp. Adidas habe ebenfalls die Schätzungen übertroffen. Und Fresenius habe nach dem Dividendenausfall im Vorjahr nun wieder eine Dividende von 1 Euro je Aktie angekündigt, auch das sei mehr als vom Markt erwartet.
Hingegen habe die Dividendenkürzung von BASF auf 2,25 Euro je Aktie nach 3,40 Euro im Vorjahr enttäuscht. Auch Merck und Volkswagen würden nur eine leicht unter den Markterwartungen liegende Dividende zahlen.

Wie aus dem ausführlichen Dividendenkalender hervorgeht (vergleiche Tabelle), erhöhen immerhin 21 der 34 Dax-Unternehmen, deren Hauptversammlung bis Ende Mai stattfindet, ihre Dividende. Insgesamt steigern inklusive Siemens und Siemens Healthineers damit 23 der 40 Dax-Konzerne in dieser Saison ihre Dividende. Das ist immerhin mehr als die Hälfte.
Kürzungen bei Autobauern
Lediglich fünf Gesellschaften im deutschen Leitindex kürzen ihre Dividende je Aktie. Das sind neben dem Chemieriesen BASF die Autobauer Mercedes-Benz Group, BMW, Volkswagen und die Porsche SE. Überraschenderweise reduziert der Sportwagenhersteller Dr. Ing. Porsche nicht die Dividende, sondern zahlt erneut 2,31 Euro je Aktie an seine Vorzugsaktionäre.
Inklusive Porsche, Infineon und Sartorius-Vorzüge schütten in diesem Jahr neun Dax-Werte eine unveränderte Dividende aus. Und mit Zalando, Siemens Energy und Qiagen zahlen drei Unternehmen in der ersten deutschen Börsenliga keine Dividende. Im Vorjahr waren es noch vier, weil Fresenius damals keine Dividende zahlte.
Bei den Top-Dividendenzahlern im Dax hat sich die Reihenfolge geändert. An erster Stelle liegt laut den Berechnungen der DZ Bank die Allianz, die ihre Ausschüttungen von 5,4 Mrd. Euro im Vorjahr um gut 10% auf fast 6 Mrd. Euro erhöht hat. Damit steuere die Allianz rund ein Zehntel der gesamten Ausschüttungen der Dax- und MDax-Titel bei. Erst dahinter folge die Deutsche Telekom mit einer Ausschüttungssumme von 4,41 Mrd. Euro. Bronze gehe an die Mercedes-Benz Group mit 4,14 Mrd. Euro. „Der Hersteller mit dem Stern belegte bei der letzten Betrachtung vor zwölf Monaten noch knapp vor der Allianz den ersten Platz“, erklärt DZ-Bank-Analyst Stephen Schneider. „Nach Dividendenkürzungen in einer Höhe von 20% musste er diesen Platz nun aber abgeben.“
Am stärksten hat Adidas die Dividende erhöht, und zwar um 185,7% von 0,70 auf 2 Euro je Aktie. Aber auch die Commerzbank, die nicht übernommen werden will, wartet mit einer Dividendenerhöhung um 85,7% von 35 auf 65 Cent je Aktie auf. Auch die Deutsche Bank hat ihre Ausschüttung je Aktie deutlich von 45 auf 68 Cent und damit um 51,1% angehoben. Und Rheinmetall schüttet in diesem Jahr 8,10 Euro je Aktie aus, das sind 42,1% mehr als im Vorjahr.
Die höchsten Dividendenrenditen bieten die Autoaktien. So kommen Mercedes-Benz Group, Volkswagen-Vorzüge und BMW derzeit auf Renditen von 8,1%, 6,9% und 6,0%. Doch steht der zyklische Autosektor unter massivem Druck, sodass fraglich ist, ob die Autoaktien künftig ihre Dividenden werden halten können.
Langfristig ist es für Investoren erfolgversprechender auf stabile Dividendenaristokraten zu setzen, die ihre Ausschüttung nicht kürzen und Jahr um Jahr den Geldbeutel ihre Aktionäre mit stabilen und relativ hohen Ausschüttungen füllen. Dazu zählt der Versicherungsriese Allianz mit einer Dividendenrendite von 4,4%. Als erste Qualität gilt auch die Münchener Rück, die aktuell auf eine Ausschüttungsrendite von 3,4% kommt.
DZ prognostiziert Aufwärtstrend
Wie es in Sachen Dividenden in den kommenden Jahren weitergeht, ist aufgrund der derzeit hohen konjunkturellen Risiken schwer zusagen. Doch ging es zum einen in der Vergangenheit stets unter Schwankungen bei den Ausschüttungen aufwärts. Zum anderen deutet sich zumindest nach Meinung der DZ Bank perspektivisch ein stabiler aufwärts gerichteter Trend an.
„Dividenden sind und bleiben ein wesentlicher Teil des langfristigen Vermögensaufbaus“, betont die DZ Bank. Dies gilt besonders für Deutschland mit seinen im Vergleich hohen Ausschüttungen. So schlägt der Performance-Dax, der Dividenden enthält, den Kurs-Dax deutlich.