Außenhandel bremst deutsche Wirtschaft
Außenhandel bremst deutsche Wirtschaft
Exporte so gering wie zuletzt während Corona − Investitionen schwach − Konsum stützt
ba Frankfurt
Der stärkste Exportrückgang seit der Corona-Pandemie drückt das deutsche BIP ins Minus. Ebenso die Ausrüstungsinvestitionen. Und auch die privaten Verbraucher halten sich wegen steigender Jobsorgen zurück. Die Hoffnungen auf schnelle wirtschaftsfördernde Maßnahmen der neuen Bundesregierung sind groß.
Der Konsum, vor allem der staatliche, hat zum Jahresende Schlimmeres verhindert: So ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vor allem wegen der schwachen Exporte und rückläufigen Investitionen im vierten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2% zum Vorquartal geschrumpft. Im Sommer hatte es noch zu einem Plus von 0,1% gereicht. Damit bestätigte das Statistische Bundesamt (Destatis) seine Schnellmeldung, ebenso wie die zum Rückgang von 0,2% im Gesamtjahr 2024.
Deutschland bleibt damit das Wachstumsschlusslicht unter den Industrienationen, auch wenn die Euro-Schwergewichte Frankreich (−0,1%) und Italien sowie der Euroraum insgesamt (je 0,0%) im Schlussabschnitt ähnlich schwache Ergebnisse gezeigt hatten. Für das laufende Jahr erwarten Experten für Deutschland allenfalls ein Mini-Wachstum. Einigen scheint aber auch das dritte Rezessionsjahr in Folge − ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik − nicht ausgeschlossen.
Zeichen der Unsicherheit
„Die Schwäche im globalen verarbeitenden Gewerbe trifft die exportabhängige deutsche Wirtschaft im Schlussquartal ins Mark“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Wegen der schwachen inländischen Nachfrage gehe „das BIP zwangsweise zurück“. Diese zeigt sich nicht nur im fünften aufeinanderfolgenden Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen, also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge, von diesmal 0,3%. Sondern auch in den privaten Konsumausgaben, die um 0,1% zulegten. Als ursächlich gilt insbesondere die politische Verunsicherung − daher ist auch die Hoffnung groß, dass die sich eben zusammenfindende neue Bundesregierung schnell wirtschaftsfördernde Maßnahmen beschließt. Wirtschaftsverbände fordern vehement niedrigere Energiepreise und Steuern sowie Entlastung bei der Bürokratie und eine raschere Digitalisierung.

Positive Impulse brachte der Staatskonsum, der um 0,4% zulegte. Dank der milden Witterung kletterten die Bauinvestitionen um 1,0%. Hier ruhen die Hoffnungen auf den weiteren Zinssenkungen der EZB, die in der Folge für bessere Finanzierungsbedingungen sorgen dürften. Der Auftragsmangel bleibt laut der jüngsten Ifo-Umfrage aber ein zentrales Problem der kriselnden Branche. Die Bruttoanlageinvestitionen insgesamt lagen um 0,4% über dem Vorquartalsniveau.
Vor allem aber drückten die schwachen Exporte das BIP ins Minus: Im vierten Quartal wurden preis-, saison- und kalenderbereinigt 2,2% und damit deutlich weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im Vorquartal. „Einen stärkeren Rückgang hatten die Ausfuhren zuletzt im zweiten Quartal 2020 verzeichnet“, betonten die Statistiker. Die Einfuhren hingegen legten um 0,5% zu, sodass der Außenhandel insgesamt 1,2 Prozentpunkte vom BIP abknapste.
Exporterwartungen steigen
Zu Jahresbeginn dürfte der Außenhandel weiterhin bremsen, auch wenn sich die vom Ifo-Institut abgefragten Exporterwartungen im Februar leicht verbesserten. Trotz des Anstiegs um 2,1 auf −5,0 Punkte verharrt das Barometer wie schon seit fast zwei Jahren im negativen Bereich. „Der Exportwirtschaft fehlt es an Dynamik und Aufbruchstimmung“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. „Die heimischen Unternehmen warten weiterhin auf einen Anstieg der Nachfrage aus dem Ausland.“ Zudem verheißen die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump wenig Gutes für den Export.
Die Konjunkturflaute zeigte sich vor allem in der exportorientierten Industrie, deren Wirtschaftsleistung um 0,6% und damit das siebte Quartal in Folge sank. „Insbesondere der Maschinenbau und die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen hatten starke Produktionsrückgänge zu verzeichnen“, erklärten die Statistiker. Im Baugewerbe ging die Wirtschaftsleistung um 0,9% zurück. Eine höhere Wertschöpfung meldeten die zusammengefassten Bereiche Handel, Verkehr, Gastgewerbe (0,5%) sowie öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit (0,3%).
Die Zahl der Erwerbstätigen blieb mit rund 46,3 Millionen in etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Diese leisteten im Schnitt 0,8% mehr Arbeitsstunden, sodass das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen um 0,7% zulegte. Die Arbeitsproduktivität sank um 1,1%.